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Financial Services|Connected Consumer|Austria|German

Der Einbruch beim Sparen hält an

05.07.2016

Erstmals seit Beginn unserer Analysen des Spar- und Anlageverhaltens in Österreich sind Immobilien das attraktivste Produkt in dieser Kategorie. Wie unser vierteljährliches Stimmungsbarometer zeigt, haben Liegenschaften bewährte Bausparverträge und Sparkonten hinsichtlich ihrer Attraktivität überholt. 37% der Befragten gaben dabei an, dass Liegenschaften hinter Eigentumswohnungen und Eigenheimen die attraktivste Anlageform sind. Was also spielt sich gerade ab und was bedeutet das für die Finanzdienstleistungsbranche in Österreich?

Sparen im Kontext: Österreicher legen Wert auf finanzielle Sicherheit statt auf Risiko

In anderen europäischen Ländern und den USA hat sich der Trend weg vom Sparen und hin zu einer Veranlagung in Liegenschaften längst durchgesetzt. Österreicher haben hingegen bisher traditionellen Bausparverträgen und Sparkonten den Vorzug gegeben. Unsere Untersuchungen zeigen, dass in Österreich finanzielle Sicherheit ein Schlüsselfaktor für Lebensqualität ist und unmittelbar hinter Gesundheit eingestuft wird. Österreicher ziehen sichere Zinsen der Chance auf eine höhere Rendite, verbunden mit einem höheren Risiko, vor. Dies erklärt, weshalb die traditionellen Sparanlagen trotz eines historisch niedrigen Zinsniveaus bisher favorisiert wurden.

Veränderungen der Finanzlandschaft

Sieht man sich die Attraktivität verschiedener Sparformen einschließlich Renten an, ergibt sich folgendes Bild:

  • 2009 hielt mehr als die Hälfte der Österreicher (52 %) Sparkonten für eine attraktive
    Sparform. Seither ist dieser Anteil stetig auf mittlerweile 19 % gesunken – ein deutlicher Einbruch.
  • Bausparverträge haben hinsichtlich ihrer Attraktivität 7 Prozentpunkte eingebüßt und liegen nun mit 30 % an dritter Stelle. 
  • Sowohl private als auch staatlich geförderte Formen der Altersvorsorge verlieren
    an Attraktivität: 2011 sahen 22 % der Österreicher die gesetzliche Altersvorsorge als attraktiv an – heute sind es nur noch 10 %. Ähnlich verhält es sich im selben Zeitraum bei der privaten Altersvorsorge (Rückgang von 18 % auf 9 %) und bei Lebensversicherungen
    (Rückgang von 26 % auf 13 %).
  • Gold liegt derzeit mit 29 % an vierter Stelle und gewinnt an Attraktivität (plus 7 Prozentpunkte).
    Der Aufstieg "solider Währungen" wie Immobilien und Gold ist eine Folge des lang anhaltenden niedrigen Zinsniveaus.

Die gegenwärtige Situation zeigt, dass es Österreichern an vertrauenswürdigen Alternativen fehlt. Bekannte Produkte sind nicht länger attraktiv und attraktive Produkte sind nicht ausreichend bekannt oder im Falle von Immobilien, nicht für jeden erschwinglich. Anstatt zu risikoreicheren Produkten zu wechseln, haben Österreicher ihre Sparbeträge zurückgeschraubt, die Nettosparquote sank auf einen historischen Tiefpunkt.

Finanzdienstleister müssen darauf reagieren, wenn sie langfristig ein attraktiver Partner für Sparen und Vorsorge bleiben wollen. Eine Möglichkeit besteht darin, auf die Entwicklung eines gesamten Produktlebenszyklus für Portfoliokunden zu setzen, der flexible Optionsmöglichkeiten bietet. Zusätzlich müssen sich Banken verstärkt darum bemühen, mehr über die Bedürfnisse ihrer derzeitigen und potenziellen Kunden in Erfahrung zu bringen. Dies gilt insbesondere in den frühen Lebensabschnitten, in denen Vertrauen aufgebaut wird. Wenn man die Bedürfnisse und Zukunftspläne der jungen Kunden kennt, kann man eine tragfähige Strategie entwerfen, die Zielgruppe bei Geldanlagen und Vorsorge langfristig zu begleiten.

Anstieg des Sparens zu Hause

Eine weitere Reaktion auf die Marktunsicherheit und die niedrigen Zinsen ist die steigende Anzahl an Österreichern, die das Sparen zu Hause als attraktive Alternative zu Bankprodukten ansehen. Dieser Trend ist bereits seit Beginn der globalen Finanzkrise 2008 erkennbar und hat sich seither stetig verstärkt. Die Attraktivität dieser Sparform liegt heute bei 14%. Wir glauben, dass Banken dem entgegenwirken können, indem sie Kunden verdeutlichen, welche Risiken und Folgen es mit sich bringt, wenn sie ihr Geld zu Hause unter das Kopfkissen legen. Das Sparen in Bankprodukte bietet trotz niedriger Zinsen Vorteile und diese Botschaft kann noch sehr viel deutlicher vermittelt werden. Ein Produktportfolio, das ausreichend flexibel ist, um Kunden durch den gesamten Lebenszyklus hindurch einen Anreiz zu bieten, könnte eine attraktive Option sein.

Chancen für die Ermittlung und Maximierung latenter Märkte

Auch wenn es sich bei Immobilien derzeit um die attraktivste Sparform handelt, ist es mit Sicherheit nicht die, mit dem größten Potenzial: während zwei Drittel der Österreicher Sparkonten haben, sind Liegenschaften für den Großteil schlicht nicht erschwinglich. Doch nicht alle Anlageformen erfordern derart hohe Investitionen. Wir sehen eine Chance darin, Kunden über potenziell höhere Renditen von Aktien und Investmentfonds aufzuklären. Finanzdienstleister, die jene Kunden erkennen und aufklären, die ein rentableres – wenn auch risikoreicheres – Spar- und Anlageportfolio suchen, haben die Chance, neue Zielgruppen zu gewinnen. Obwohl es sich derzeit noch um ein kleines Marktsegment handelt – gegenwärtig hält nur jeder fünfte Österreicher Wertpapiere – verfügt er mit den richtigen Produkten und Botschaften über Wachstumspotenzial. 

Kontakt
Mag. Ursula Swoboda
Mag. Ursula Swoboda
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Dipl.- Demogr. Christina Tönniges
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