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14.02.2017

Städtereisen geraten in den Sog der Ereignisse

Städtereisen sind eine der sich am dynamischsten entwickelnden Reiseformen – mit alljährlich schönen Wachstumsraten. Bislang zumindest, denn aktuelle Zahlen der GfK lassen aufhorchen. Wachstumstreiber bei den Städtereisen wie große Events und Veranstaltungen, Shopping oder auch Kultur und Sehenswürdigkeiten präsentieren sich rückläufig. Die Anzahl der Städtereisen insgesamt geht leicht zurück (-0,6 Prozent), wobei das Europageschäft stärker nachgibt (-4 Prozent) als die noch wachsenden Städtereisen innerhalb Deutschlands (+1,5 Prozent). Die Anschläge in Paris, Istanbul, Brüssel und Nizza hinterlassen ihre ersten Spuren.

Das Ende des Wachstums? Eine Bestandsaufnahme

In der Sommersaison 2014 haben deutsche Urlauber etwa 800.000 Städte-Trips mehr unternommen als im Sommer zuvor (+6,2 Prozent). In der darauffolgenden Saison 2015 fiel das Plus von einer halben Million schon etwas kleiner aus (+3,9 Prozent) bevor es sich im Sommer 2016 gänzlich auflöste. Die bisher jährlich steigenden Besucherzahlen tragen in vielen Städten maßgeblich zum wirtschaftlichen Wachstum bei. Denn neben den 6,2 Milliarden Euro, die Bundesbürger allein von Mai bis Oktober für ihre vorab gebuchten Reiseleistungen bei Städtereisen ausgegeben haben, kommt hinzu, was sie vor Ort in Geschäften beim Shopping oder in Cafés und Restaurants hinblättern. Ein Rückgang im Städtetourismus trifft die Destinationen ins Mark. Die Reiseveranstalter nicht minder, haben sie doch ihr Städtereisen-Portfolio in den vergangenen Jahren stark ausgebaut – und insbesondere beim zuvor so wachstumsstarken Europaverkehr mit profitiert.

In Europa verlieren die Städte, die direkt von Anschlägen betroffen waren, massiv: Nach Istanbul unternehmen deutsche Urlauber im Sommer 2016 kaum noch Städtereisen, die Anzahl der Trips nach Paris halbiert sich (-48 Prozent). Manche Top-Destinationen wie Rom, Prag oder Barcelona werden in Mitleidenschaft gezogen und verzeichnen ebenfalls Rückgänge bei Reisenden aus Deutschland. Andere Städtereiseziele wie Wien, London oder Amsterdam entwickeln sich dagegen prächtig.

Städtereisende im Deutschlandtourismus

In Umsatz gemessen geht der größere Anteil der Ausgaben deutscher Städtereisender zwar ins Ausland (56 Prozent), die Mehrheit der Städte-Trips (64 Prozent) aber bleibt im Inland. 2,7 Milliarden Euro geben die Deutschen für ihre inländischen Städtereisen aus. Der typische Städtereisende ist dazu eine höchst attraktive Klientel: 66 Prozent der Städtereisen sind Kurztrips mit 1-3 Nächten Aufenthalt – sie werden also in der Regel zusätzlich zu den Urlaubsreisen unternommen. Und es sind überwiegend die einkommensstarken Zwei-Personen-Haushalte, die sich den einen oder anderen Städte-Trip extra gönnen. Dabei nächtigen sie durchaus gerne in 4- bis 5-Sterne-Hotels (40 Prozent der Übernachtungen), am liebsten nur mit Frühstück (73 Prozent), was wiederum die Gastronomen vor Ort erfreut.

Aktivitäten vor Ort verändern sich

Die sich abschwächende Wachstumskurve bei den Städtereisen allein, ließe sich womöglich vor dem Hintergrund der jüngsten Marktentwicklungen im Urlaubsgeschäft noch „schönreden“. Die sich vor Ort einer Städtereise verändernden Aktivitäten sprechen jedoch eine klare Sprache. Die seit 2015 immer häufiger Metropolen Europas treffenden Terroranschläge beginnen, die Verhaltensweisen der Urlauber zu beeinflussen. Besonders stark zeigt sich dies in der Vermeidung von großen Events. Der Besuch solcher Veranstaltungen geht um 13 Prozent zurück. Das Nachtleben genießen? Fällt von einem Wachstum von 11 Prozent auf ein Minus von 27 Prozent. Rückläufig präsentieren sich außerdem Besuche von kulturellen/historischen Sehenswürdigkeiten, von Museen und Ausstellungen sowie Shopping. „Viele Urlauber scheuen zunehmend große Menschenansammlungen, wo sie Opfer eines Anschlages werden könnten. Vor diesem Hintergrund wird sich der Städtetourismus ein Stück weit neu erfinden müssen“, unterstreicht GfK-Marktforscherin Daniela Briceño Schiesser.

Weitere Informationen zu Städtereisen als Charts

 

Die Auswertungen basieren auf dem Consumer Panel GfK TravelScope, das monatlich das Reise-, Buchungs- und Informationsverhalten bei etwa 19.000 repräsentativ ausgewählten Haushalten (ca. 40.000 Personen) in Deutschland erhebt. Verglichen werden die Städtereisen in den Sommersaisons (Mai bis Oktober) 2013 bis 2016.

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