Die Grafik zeigt im Überblick, welche Urlaubsarten und Reiseprodukte über die größte Dynamik verfügen, sowie wert- und volumenmäßig am bedeutendsten sind. Die Größe des Kreises zeigt den durchschnittlichen Ausgabebetrag je Reise und Nacht in Euro. Je weiter nach rechts Sie bei dieser Grafik gehen, um so wichtiger ist das betrachtete Reisesegment bezogen auf die Anzahl der getätigten Reisen. Die größte Anzahl verkaufter Reisen steht demnach hinter den PKW-Reisen und den Inlandsaufenthalten. Der erzielte Umsatz pro Reise und Nacht (dargestellt mit der Fläche des Kreises) ist bei diesen beiden Urlaubssegmenten doch deutlich geringer als beispielsweise im Vergleich zum direkt danebenliegenden Kurzurlaub. Die größte wertmäßige Bedeutung haben jedoch die Kreuzfahrt- und Fernreisen.
Das mengenmäßige Wachstum im Sommer 2008 ist am größten bei dem Reisesegment, das am höchsten steht. Für den Sommer 2008 sticht beispielsweise das Segment "Reisen ohne Vorabbuchung / Spontanreisen" hervor.
Die Unsicherheit durch die Inflation- und Kerosinpreisdiskussion hat die Urlauber im Sommer 2008 dazu verleitet, spontaner zu verreisen. Während in den vergangenen fünf Jahren der Anteil der Reisen mit "vorabgebuchter Leistung" stetig gewachsen ist (liegt derzeit bei 73Prozent der Reisen), haben wir im Sommer 2008 dahingehend eine deutliche Trendwende erlebt. Erstmalig seit Jahren nimmt der Anteil der Reisen "ohne Vorabbuchung oder Reisen aufs Geratewohl" wieder zu.
Für den Großteil der Tourismusindustrie, sowie vor allem für die Veranstalter und den Vertrieb, bedeutet dies einen Verlust an Akquisitionspotenzial. In der Folge hat dadurch auch die klassische Pauschal- und Bausteinreise mit einem Minus von 3,7 Prozent bzw. 3,9 Prozent den Sommer 2008 bezogen auf die Anzahl verkaufter Reisen abschließen müssen.
Die Städtereisen sind mit einem Minus von 7,4Prozent im Sommer 2008 stark in ihrer positiven Entwicklung gebremst worden. Nach mehreren Jahren des Wachstums in diesem Segment stellt sich die Frage, ob die eine den Anfang einer Trendwende darstellt. Denn bisher lebte die positive Entwicklung bei Städtereisen vor allem vom Trend hin zum Zweit- und Dritturlaub, durch die Angebote an Billigflügen noch beflügelt. Wir von GfK-TravelScope erachten es als realistisch, dass gerade dieses Segment im Sommer 2009 noch weiter verlieren wird. Erste Informationen aus den Reiseabsichten für den Sommer 2009 bestätigen dies bereits.
Überraschend ist in diesem Zusammenhang, dass trotz dieser Schwäche des für die Bahn traditionell sehr wichtigen Segments der Städtereisen, die Schiene als Hauptanreiseverkehrsmittel ein deutliches Plus von 5,2 Prozent verzeichnet. In Verbindung mit dem Plus von 4,7 Prozent bei Unterkunftart "Ferienwohnung" und dem Plus von 3,6Prozent bei "Urlaub auf dem Lande" erhärtet sich ein Gesamteindruck, dass nach vielen Jahren des Genusses in pulsierenden Metropolen wieder der beschauliche, entspannende und ruhige Urlaub im Vordergrund stand, zumindest gilt dies für den vergangenen Sommer.
Deutliche Einbußen sehen wir seit Jahren - mit Ausnahme des Sommers 2006 - bei Omnibusreisen. Die mengenmäßige Bedeutung ist mit aktuell 6,5 Mio. Reisen um 8,9 Prozent geschrumpft. Noch dramatischer wird dieser Rückgang allerdings, wenn man berücksichtigt, dass parallel dazu der Umsatz der vorabgebuchten Leistungen bei Busreisen um knapp 10 Prozent zurückgegangen ist.
Zusammengefasst war im erdgebundenen Bereich deutlich die Fußball-Europameisterschaft zu spüren. Österreich und die Schweiz konnten deutlich mehr deutsche Gäste ins Land locken und bei den "Kurzen Reisen" teilweise zweistellige Zuwachsraten – wie im Falle der Schweiz - mit 17 Prozent verzeichnen. Darunter leiden mussten die ebenso unter den zehn beliebtesten deutschen Auslandsreiseziele stehenden Länder Frankreich, Niederlande und Italien.
Rund um das Mittelmeer ist auch einiges in Bewegung. Während die europäischen Nachbarstaaten - mit der einzigen Ausnahme Kroatien - alle an Marktanteil bezogen auf Reisen im Sommer 2008 verloren, haben die nordafrikanischen Länder und die Türkei deutlich an deutschen Urlaubern hinzugewonnen. Das intensive Werben zahlte sich offensichtlich für Tunesien, Marokko und Ägypten mit einem Plus von 5 bis 6Prozent aus. Besonders erfreulich ist für diese Länder, dass sie mit noch höheren Wachstumsraten beim Umsatz für vorabgebuchten Leistungen aufwarten können.
Bei den Fernreisen hat letztlich der schwache Dollar seine gute Seite für die USA und Kanada ausgespielt. Die Deutschen haben in 2008 äußerst intensiv den Kursvorteil genutzt. Mit einem Plus von fast 10 Prozent bei den Urlaubern und über 25Prozent bei den vorabgebuchten Leistungen kann man davon ausgehen, dass diese Länder noch über Jahre vom Sommer 2008 bezüglich des Volumens an deutschen Urlaubern in ihrem Land schwärmen werden.
Innerhalb Deutschlands setzt sich auch ein Trend fort. Der Norden der Republik mit Schleswig Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg Vorpommern gewinnt an Beliebtheit, während der Süden Deutschlands, allen voran Bayern, bei den Deutschen Gästen verliert. Besonders erwähnenswert ist, dass – obwohl die norddeutschen Bundesländer zulegen - die Küstenregion nicht von den positiven Zahlen profitieren, sondern entgegen der Entwicklung auf Bundeslandebene sogar weniger Gäste im Sommer 2008 verzeichneten. Beliebter waren dagegen bei den Gästen die Regionen im Hinterland wie die Lüneburger Heide oder die Mecklenburgische Seenplatte. In Bayern gibt es Parallelen zu dieser Entwicklung. Hier verliert gerade die Alpenregion und drückt damit das durchschnittliche Wachstum Bayerns insgesamt ins Minus, obwohl gerade die Regionen in Franken oder der Bayerische Wald sogar im Plus sind.