Lassen Sie uns einen Blick auf den vergangenen Sommer 2008 werfen und mit der Gruppe der Deutschen beginnen, die im Sommer 2008 nicht verreist ist. Immerhin 14,5 Mio deutsche Haushalte (42 Prozent bezogen auf 34, 8 Mio.) haben sich in 2008 gar keinen Urlaub geleistet. Die Tendenz ist steigend. Pizza statt Ibiza – die Deutschen verzichten zunehmend auf die Reisen und gönnen sich als Entschädigung eine schöne Flasche Wein oder kulinarische Leckerbissen zu Hause. Nach einem Zuwachs der "Balkonurlauber" von 4,5 Prozent im letzten Jahr sind es dieses Jahr gar 9,1 Prozent. Diese Zahl sollte der gesamten deutschen Tourismuswirtschaft zu denken geben. In logischer Folge ist die Anzahl der verreisenden Haushalte entsprechend rückläufig. Nur noch 58 Prozent (20,3 Mio. Haushalte) der deutschen Haushalte haben im Sommer 2008 eine Reise unternommen. Bezogen auf Absolutzahlen ist damit die Käuferreichweite um 3,3 Prozent zurückgegangen, und dies, nachdem im Vorjahr bereits ein Minus von 2,6 Prozent zu verzeichnen war. Für den Teilmarkt der Reisen ab 5 Tage verstärkt sich der Trend noch mit einem Minus von 3,9 Prozent. Wird der Markt für Urlaubsreisen auch im Sommer 2009 schrumpfen?
Ein erstes Anzeichen hierfür ist immer die Entwicklung der Käuferreichweite. Die Maßzahl gibt an, wie groß der Markt insgesamt ist, den man mit seinen Produkten erreichen kann. Die ersten Ergebnisse aus unseren Erhebungen zu den Reiseabsichten und Planungen zum Sommer 2009 deuten bereits an, dass sich auch der Sommer 2009 in eine negative Richtung entwickelt.
Erfreulich ist, dass diejenigen, die verreist sind, im Sommer 2008 genauso viele Reisen getätigt haben wie im Vorjahr, nämlich 82,8 Millionen. Und sie haben genauso viel Geld für die Reisen ausgegeben: die Gesamtausgaben (inklusive Ausgaben vor Ort) betrugen 47,9 Milliarden Euro und verharrten mit einem Plus von 0,3 Prozent quasi auf Vorjahresniveau. Hingegen deutlich gestiegen sind die Ausgaben für vorabgebuchte Leistungen. Wir messen für den Sommer 2008 ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahressommer. Dies bedeutet, dass vor Ort gespart wurde. Die verteuerte Anreise und die höheren Kosten für die Unterkunft führten zu deutlich geringeren Ausgaben für Unternehmungen vor Ort. Die Gastwirte, Bazarbetreiber und Strandverkäufer haben es sicher deutlich gemerkt.
Die Zahlen zeigen eindeutig: Reisen im Sommer 2008 war gekennzeichnet durch die Themen Klimawandel, Inflation und vor allem gestiegene Energie- und Benzinpreise. Die in 2008 deutlich steigenden Lebensmittelpreise (teilweise von 8 Prozent gegenüber Vorjahr, GfK ConsumerScan) sorgten dafür, dass Teile der Bevölkerung den Gürtel enger Schnallen mussten. Das hat auch Auswirkungen auf die Urlaubsbranche. Der Anteil der Deutschen, der komplett auf einen Sommerurlaub verzichtete, ist deutlich gestiegen. Dafür verreisten die Deutschen, die sich eine Reise leisten konnten, öfter und gaben auch mehr aus. Allerdings rührt dieses Plus im Wert der Reise vor allem von den gestiegenen Kosten für Anreise und Unterkunft. Bei den Ausgaben im Zielgebiet hat man in vergleichbarer Höhe wiederum gespart.
Generell bestätigt sich jedoch ein Trend in der Gesellschaft auch im Reiseverhalten: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer: 27 Prozent aller deutschen Haushalte sagen uns in aktuellsten Erhebungen, dass sie sich "fast alles leisten können", aber eben so viele Haushalte (27 Prozent) geben auch Preis, dass sie sich immer weniger bzw. fast nichts mehr leisten können. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 gaben noch nur 19 Prozent der Haushalte an, sich kaum etwas leisten zu können.