GfK Gruppe: www.gfk.com
Singapur ist vielen nur als Zwischenstation auf dem Weg nach Australien oder Neuseeland bekannt. Dabei ist der Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen für Marktforscher ein El Dorado. Denn nirgendwo kommt Asien dem Rest der Welt näher als hier. Hier trifft der Osten den Westen. Und Dr. Keren Priyadarshini, die als Geschäftsführerin HealthCare für die GfK in Singapur arbeitet, sieht entsprechend viel Potenzial im asiatischen Stadtstaat.
Marktforschung einmal anders. Kaum standardisierbare Ansätze, sondern aufregende Feldforschung in einem Konglomerat aus Nationalitäten und ethnischen Gruppierungen. So in etwa lässt sich Asien allgemein und Singapur im Speziellen definieren.
„Bei meiner letzten Anstellung, einer Non-Profit-Organisation namens NKF (National Kidney Foundation) für Service im Bereich Nieren-Dialyse, habe ich mit elf verschiedenen Nationalitäten zusammengearbeitet“, erinnert sich Keren Priyadarshini an die Zeit, bevor sie zu GfK HealthCare Asien kam. Die junge Dame aus Südindien hat, seit sie vor mehr als vier Jahren in den Schmelztiegel umzog, einiges dazulernen müssen. Das geht so weit, dass man „seine individuelle Nationalität teilweise verliert“, um sich an der kunterbunten Mixtur zu orientieren, die den Stadtstaat ausmacht. Jeder neu hinzugezogene Bürger muss sich in gewisser Weise anpassen, sich öffnen für andersartige kulturelle und landestypische Gepflogenheiten.
Wir müssen landestypische Regeln lernen
„Wenn wir unsere Studien planen“, so Keren Priyadarshini, „müssen wir diese Unterschiede sehr wohl berücksichtigen. Während ich in Indien mit einem Arzt durchaus eine halbe Stunde am Telefon reden kann, wird es in Korea oder Japan bereits als unhöflich empfunden, wenn ich länger als zehn Minuten reden möchte. Wir müssen diese Regeln lernen und in unsere Forschungsvorhaben integrieren, das ist das Spannende an der Arbeit bei GfK Asia.“
Da es sich bei GfK HealthCare Asien um überschaubare Teams mit circa 15 Angestellten für Asien handelt, wird die Arbeit im Team so erledigt, wie sie anfällt. Keren Priyadarshini ist als Geschäftsführerin im Jahr 2005 angetreten, hat sich aber auch – „ich würde sagen mit 40 Prozent“ – um die Entwicklung neuer Geschäftsfelder gekümmert.
Die besondere Lage Singapurs macht die Arbeit nicht nur interessant, sondern auch reich an Facetten. „Wir arbeiten für internationale Konzerne, wir betreuen aber auch regionale und lokale Projekte“, erklärt Keren den multiplen Ansatz in dieser einmaligen Region. Denn lokale Firmen lassen durch die GfK HealthCare Asien den Gesundheitsbereich untersuchen und darüber hinaus auch regionale Daten erfassen und analysieren. Auf der anderen Seite sind internationale Konzerne – „wir arbeiten für die größten Pharmakonzerne“ – durchaus daran interessiert, lokale und regionale Daten mit weltweiten Studien abzugleichen, um globale Strategien zu entwickeln. Dr. Keren Priyadarshini betrachtet die Angelegenheit mit der Coolness ihrer jungen Jahre: „Unter den asiatischen Nationen ist Singapur die am meisten westlich orientierte Nation und entwickelt sich daher zu einer regionalen Schnittstelle für ganz Asien.“
Für Manager und Budgetplaner ist es wichtig, von hier aus globale Daten zu erheben, denn bei einigen Weltkonzernen der Pharmabranche ist Singapur bereits zum weltweiten Hauptquartier avanciert. Das deutet Priyadarshini folgerichtig so: „Es ist ein großer Vorteil, dass wir als GfK HealthCare hier vor Ort mit einem eigenen Unternehmen vertreten sind. So stellen die Kunden fest, dass wir nicht nur in Europa und Amerika präsent sind, sondern durch unsere lokale Präsenz auch den asiatischen Markt analysieren können.“
»Wir müssen tiefergehende Einsichten bieten und mehr Berater als reine Marktforscher sein, gerade hier bei uns in Asien.«
Nach wie vor scheint es so, dass Westler sich in Asien schwer tun, weil dieser Kontinent nicht so funktioniert wie der Rest der Welt. Sie verhandeln deshalb am liebsten mit Singapur, weil hier das Know-how über Asien in konzentrierter Form vorliegt und das „Mysterium Asien“ entschlüsselt werden kann. „Wir sind eine Art Falkenauge für Firmen aus den USA und Europa“, umschreibt Keren Priyadarshini die Situation. „Wir kreisen quasi über Asien und können Einblicke in spezielle Regionen bieten.“ Dass sie sich das zutraut, erschließt sich aus ihrem ehemaligen Hobby: Bodybuilding. Bis zu ihrem Eintritt in die GfK HealthCare Asia hat die zarte Person mit persönlicher Trainerunterstützung tonnenweise Eisen gestemmt. Jetzt stemmt sie reichlich Papier mit Zahlen, Fakten und Trends, die ihr bei der Arbeit weiterhelfen. Schließlich ist die ehemalige Assistenz-Professorin der indischen Universität Ahmedabad nicht nur ehrgeizig, sondern auch verliebt in Zahlen und mathematische Zusammenhänge. Somit ist Singapur ihr persönliches Paradies.
Die Bewohner von Singapur sind technisch bestens ausgestattet und bei Projekten und Prozessen schneller und weiter entwickelt als in anderen Teilen Asiens. Das macht Keren Priyadarshini Spaß, denn „wenn ich Marktforschung betreibe, habe ich enge Zeitfenster und bin auf schnelle Antworten angewiesen“, sinniert sie. „Singapur ist in dieser Beziehung sehr geschäftsorientiert und die Menschen erkennen die Möglichkeiten, die hinter einzelnen Projekten stehen.“
Das muss dann natürlich auch in gleicher Form für die Marktforscher selbst gelten. So ist der Arbeitstag für Keren Priyadarshini durch die Arbeit strukturiert. Gleich morgens beim Aufstehen werden zum ersten Mal die E-Mails abgerufen und beantwortet. Zwischen 9 und 21 Uhr steht die zierliche Person ständig für Fragen zur Verfügung. Kundenservice bedeutet für sie alles. „Es ist wichtig, dass der Kunde umgehend eine Antwort erhält, selbst wenn er sich aufgrund der Zeitverschiebung nicht mehr im Büro befindet oder bereits schläft“, erklärt sie resolut.
Der Team-Gedanke steht im Vordergrund
Interessant wird es dadurch, dass es „heute Diabetes und morgen Bluthochdruck ist“, mit dem sich Keren Priyadarshini beschäftigt. Dazu muss sich die Inderin mit Europa und USA vernetzen, auch wenn der Kunde lediglich eine regionale Studie haben möchte. „Es wird doch erst interessant, wenn ich auf der Basis unserer weltweiten Zusammenarbeit auch Zahlen und Trends aus anderen Weltregionen anbieten kann.“ Dabei hilft ihr, dass sie, wie unlängst in Kanada beim „Stay tuned“-Kongress, weltweit bei den GfK-Kollegen bekannt ist. Denn das wiederum ist die Triebfeder für teamorientiertes Arbeiten, wie es von Scott Davies, ihrem Boss, gefördert und gefordert wird. „Was immer wir tun, wir denken nicht als GfK HealthCare Singapur, sondern wir denken an die Gruppe, an das weltweite GfK-Team.“
Grund genug, um Monate ohne Wochenende zu verbringen, wie es Keren Priyadarshini häufiger macht, ohne dass es sie bekümmert. Schließlich war ihre Arbeit auch vorher durch die Zahlen 24 und 7 bestimmt. „Es gibt keinen Wettbewerbsvorteil mehr“, sagt sie mit Überzeugung. „Was ich mache, kann jeder machen. Alle Firmen haben Tools und Techniken, die sie einsetzen können. Die Ergebnisse sind qualitativ sicher unterschiedlich, aber was zeichnet die GfK HealthCare Asien aus?“ Die Antwort bleibt die junge Akademikerin nicht schuldig: „Wir müssen den Kunden mehr als Marktforschung bieten. Wir müssen tiefergehende Einsichten bieten und mehr Berater als reine Marktforscher sein, gerade hier bei uns in Asien.“
GfK HealthCare Asia, Singapur
Asien und Pazifik:
Auch nach einem bereits seit mehreren Jahren andauernden Wirtschaftsboom bietet die Region Asien und Pazifik weiterhin enormes Potenzial. Der Markt ist hart umkämpft. Aber gerade für die Marktforschungsbranche, deren Umsatz in der Region seit 2001 hohe Wachstumsraten verzeichnete, bietet diese Region noch große Möglichkeiten.
Vor allem China und Indien haben die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Favorisiert von internationalen Investoren, hat sich die regionale Wirtschaft im letzten Jahr erheblich stabilisiert und lebendige Verbrauchermärkte geschaffen. Das belebt die Nachfrage nach Marktforschungsdienstleistungen. Beide Länder verzeichneten im Jahr 2005 zweistellige Wachstumsraten.
Auch die GfK hat ihr Netzwerk im Jahr 2006 in diesen beiden Ländern ausgedehnt. Mit dem Erwerb der Mehrheit an den Unternehmen Custom Research China in China und Mode in Indien bietet sie in der Region nun auch Services im Geschäftsfeld Custom Research an. Seit ihren Anfängen im Raum Asien und Pazifik mit einer ersten Minderheitsbeteiligung in Japan im Jahr 1985 konzentrierte sich die GfK zunächst auf den Ausbau ihres Geschäfts im Geschäftsfeld Retail and Technology. Hier deckt sie inzwischen 14 Länder ab und ist in diesem Bereich der Marktforschung führend.
Im Jahr 2005 startete die GfK auch im Geschäftsfeld HealthCare in Asien. Nach Schätzungen von Experten wird sich allein der chinesische Pharmamarkt umsatzmäßig bis zum Jahr 2010 verdoppeln. Neben Unternehmen in Singapur, Hongkong, Thailand und China, kam im Jahr 2006 noch eine Niederlassung in Taiwan dazu. Damit ist die GfK in den wichtigsten nationalen Märkten Südostasiens aktiv.