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Fashion and Lifestyle|Consumer Panels|Germany|German

Nicht übel – nicht mehr und nicht weniger

28.06.2017

Der Textilmarkt im Frühjahr 2017

Heiß – kalt – heiß. Das Wetter bot in diesem Frühjahr einen Mix der extremen Temperaturen. Der März und auch die erste Hälfte des April waren von der Sonne geküsst. Dann wurde es richtig kalt mit Schnee bis Anfang Mai, um danach wieder mit Temperaturen bis 35 Grad das andere Extrem zu bedienen. Zumindest der rekordwarme März trieb die Umsätze im Einzel- und Versandhandel mit Textilien und Schuhen geradewegs nach oben. Danach war aber schnell wieder die Luft raus. April und Mai endeten im Minus.

Immerhin genügte das sehr positive Märzergebnis, das Frühjahr (März bis Mai) insgesamt stabil zu halten und sogar ein hauchdünnes Umsatzplus zu erwirtschaften (+0.4%). Dabei stieg die abgesetzte Menge noch stärker (+2.0%). Dies bedeutet zwar zum einen, dass die Preise leicht nachgaben (-1.5%), zum anderen bedeutet dies aber auch, dass im Frühjahr nicht von einer Verweigerungshaltung der Konsumenten gesprochen werden kann. Auf den ersten Blick.

Der Konsument hat schlicht von Reduzierungen und vom warmen und trockenen Wetter profitiert: Ziemlich genau ein Drittel der Ware wurde mit Rabatt verkauft. Zudem waren natürlich sommerlich leichte und damit eher günstigere Artikel besonders gefragt.

Eine andere Entwicklung kann eher Sorgenfalten bereiten, nicht nur bei den Young Fashion-Anbietern, sondern langfristig bei allen Playern: Wie bereits im Winter zeigten die jungen Verbraucherinnen bis 29 Jahre dem Mode-Angebot die kalte Schulter. Im Frühjahr gesellten sich zu den jungen Damen dann auch noch die jungen Männer. Das Bild wird komplettiert von sich ebenfalls in Zurückhaltung übenden 30-49jährigen Konsumentinnen und Konsumenten. Es gibt sie also doch, die Verweigerungshaltung. Ausgelöst von der andauernden Trendlosigkeit, denn die Konsumstimmung ist immer noch sehr gut. Einzig die finanzstärkste Gruppe der Best Ager hält derzeit die Textilfahne weiterhin oben.

Familien mit niedrigem Einkommen reduzierten ihre Ausgaben wieder deutlich. Gestützt wurde der Markt im Frühjahr hingegen von mittleren Einkommen. Die in den vergangenen Jahren häufig für Umsatzsteigerungen sorgenden Familien mit höheren und hohen Einkommen kauften zwar ebenfalls mehr ein, aber vor allem günstiger, sodass ihre Ausgaben sogar leicht zurückgingen.

Welche Sortimente sorgten für das zarte Plus? Mit geringfügig überdurchschnittlichen Umsatzzuwächsen behaupteten sich HAKA, KOB, Wäsche und Schuhe. Erheblich bessere Ergebnisse erzielten die Warenbereiche Strumpfwaren, Accessoires und Haus- und Heimtextilien. Leicht im Minus war die DOB, allerdings nur auf Grund geringerer Durchschnittspreise. Die Nachfrage nach Sportbekleidung ging dagegen deutlich zurück.

Die Top-Vertriebskanäle des Frühjahrs 2017 waren Value Retailer und Textildiscounter sowie der Versandhandel. Allerdings wuchsen auch hier die Bäume nicht in den Himmel. Die erreichten Wachstumsraten befanden sich durchwegs im unteren einstelligen Bereich. Ebenfalls im Plus waren Warenhäuser, Schuhgeschäfte und der Nichtfachhandel. Klassischer Fachhandel, Filialisten und Fabrikverkauf/FOC mussten hingegen leichte Umsatzrückgänge verbuchen. Heftig erwischte es die Sportfachgeschäfte. Der Onlinehandel  generierte eine leichte Umsatzerhöhung – überraschenderweise bei gleichzeitigem Rückgang der abgesetzten Menge. Stationär vermittelte das umgekehrte Bild. Dementsprechend verhielt es sich mit dem nach wie vor vom stationären Handel dominierten Gesamtmarkt.

Insgesamt ist das aktuell zu Ende gegangene Frühjahr nicht so schlecht gelaufen, wie man nach vielen Meldungen über den Textilmarkt vermuten könnte. Ein kleines Plus ist aller Ehren wert. Ein wie auch immer gearteter modischer Hype würde aber dem Markt und allen Beteiligten mehr als gut tun. Und gerade die jüngeren Verbraucher könnten dann wieder eine Stütze des Modemarktes werden.

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