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Press release

Globales Sorgenbarometer aktualisiert

22.11.2015

Die vom GfK Verein weltweit durchgeführte Studie "Challenges of Nations 2015" zeigt, dass die Sorge bezüglich Preisentwicklung und Kaufkraft global gesehen den höchsten Grad der Wahrnehmung generieren kann. Nicht so in der Schweiz: Immigration und Integration als Thema sind in der Schweiz auf Platz 1 rangiert, wie auch in Deutschland und Schweden. Ausserdem sind in der Schweiz, im Vergleich zum Vorjahr, fast doppelt so viele Befragte besorgt um die wirtschaftliche Stabilität in ihrem Land. Zusammenfassend betrachtet, liegt der Problemdruck in der Schweiz mit 1,7 erwähnten Themen jedoch im unteren Drittel der Länderrangliste. In anderen Ländern werden im Gegensatz zur Schweiz durchschnittlich 2,2 Probleme genannt.

Wie im vergangenen Jahr wird das Ranking der Sorgen in der Schweiz von der Thematik rund um Immigration und Integration angeführt. 29 Prozent der Bevölkerung sind diesbezüglich beunruhigt. Verglichen zum Vorjahr, bedeutet das eine Steigerung um vier Prozentpunkte. Im Februar 2014, während des letztjährigen Erhebungszeitraums, stimmte eine knappe Mehrheit der Schweizer für die Masseneinwanderungsinitiative und somit für eine Begrenzung der Zuwanderung. Kurz vor dem Zeitpunkt der diesjährigen Umfrage stellte der Bundesrat einen Gesetzesentwurf zur Einführung von Zuwanderungsquoten vor. Momentan liegt die Anzahl der Migranten bei rund 80‘000 Personen pro Jahr. Künftig soll ein jährlich festgeschriebenes Kontingent nicht überschritten werden. Ziel ist es, eine weitere Erhöhung des Ausländeranteils zu verhindern. Dieser liegt letzten Schätzungen zufolge bei etwa 24 Prozent.

Sorge über Welt- und Europapolitik ist gestiegen

Die Umsetzung der Zuwanderungsregelung, die in einem Referendum gefordert wurde, stellt die Regierung vor eine Herausforderung: Sie könnte im Extremfalle zur Beendigung der bilateralen Verträge Schweiz-EU führen. Ein Ende der zahlreichen bilateralen, sektoralen Abkommen mit der EU, die die Teilnahme am europäischen Binnenmarkt ermöglichen, hätte weitreichende Folgen für die Schweizer Wirtschaft.
Die Bevölkerung scheint sich über die Unsicherheit der Situation bewusst zu sein. Infolgedessen ist die Sorge über internationale und europäische Politik auf 10 Prozent gestiegen. Das bedeutet für 2015 einen Anstieg um 3 Prozentpunkte. Während diese Sorge 2014 noch auf Platz 9 rangierte, liegt sie gegenwärtig auf Platz 5.

Starker Anstieg der Sorge um wirtschaftliche Stabilität

Das Risiko, die wirtschaftlichen Beziehungen zu den europäischen Nachbarn zu gefährden, könnte auch mit dem starken Anstieg der Sorge um die wirtschaftliche Stabilität im Land zusammenhängen. 15 Prozent der Schweizer sind darüber beunruhigt, fast doppelt so viele im Vergleich zum Vorjahr. Das rückt das Thema vom siebten auf den  zweiten Platz des Ran-kings. Die starke Aufwertung des Schweizer Frankens im Januar 2015 hat zur wachsenden Besorgnis über die wirtschaftliche Stabilität beigetragen. Demzufolge prognostiziert die OECD für das Jahr 2015 einen Anstieg des Bruttoinlandproduktes um nur noch 0,8 Prozent.

Arbeitslosigkeit wird unveränderlich als Herausforderung betrachtet

Neben dem dominierenden Sorgenkomplex rund um Zuwanderung und/oder Migration sowie Wirtschaft, rangieren Arbeitslosigkeit und Umweltprobleme auf den Positionen dritten und vierten des Rankings. Arbeitslosigkeit wird in der Schweiz unveränderlich als Herausforderung betrachtet. 11 Prozent der Bevölkerung sind darüber besorgt. Laut OECD-Daten lag die Arbeitslosenquote im Jahr 2014 bei 4,5 Prozent und ist demzufolge, im Vergleich zum Vorjahr, um 0,15 Prozentpunkte gestiegen. Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei noch immer um einen der niedrigsten Werte aller OECD-Länder.

Herausforderungen für die Klimapolitik

Genau wie im Vorjahr, sind 11 Prozent der Befragten über Umweltthemen beunruhigt. Ende Januar 2015 veröffentlichte der Schweizer Bundesrat seinen aktuellen Umweltbericht. Einerseits wurden Fortschritte im Kampf gegen Schadstoffe in Luft und Wasser dokumentiert. Andererseits werden jedoch auch die grossen Herausforderungen für die Klimapolitik deutlich.

Sorge um das Gesundheitswesen hat an Dringlichkeit verloren

Im Gegensatz dazu hat die Sorge um das Gesundheitswesen an Dringlichkeit verloren. Rund 7 Prozent der Bevölkerung sind weiterhin beunruhigt, vier Prozent weniger als 2014. Auf dem “Euro Health Consumer Index” 2014 rangiert der Gesundheitssektor der Schweiz nach wie vor auf dem zweiten Platz, direkt hinter den Niederlanden. Der Schweizer Gesundheitssektor gilt damit als einer der besten Europas. In einem vergleichbaren Ausmass besorgt wie um das Gesundheitswesen sind die Schweizer in diesem Jahr um die Bildungspolitik, die Entwicklung von Preis und Kaufkraft, die soziale Sicherheit sowie Familienpolitik. Somit liegen diese Themen am Ende des Schweizer Sorgen-Rankings.

Zusammenfassend betrachtet liegt der wahrgenommene Problemdruck in der Schweiz, mit 1,7 erwähnten Themen, im unteren Drittel der Rangliste. Der Durchschnitt aller Länder liegt bei 2,2 genannten Problemen und somit klar höher.

Weitere Informationen: Ronald Frank, ronald.frank@gfk-verein.org

Zur Studie

Diese Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „Challenges of Nations 2015“, die im Auftrag des GfK Vereins im Frühjahr 2015 in 22 Ländern durchgeführt wurde. In Europa in den Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, Polen, Grossbritannien, Belgien, Russland, Niederlande, Schweden, Türkei und Schweiz. Der afrikanische Kontinent wird durch Südafrika und Nigeria repräsentiert, Nordamerika durch die USA und Südamerika durch Brasilien. Ausserdem repräsentieren Indien, Indonesien, Japan, Südkorea und Iran, Asien. Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Datengrundlage aus 25‘454 Interviews. Um eine globale Überprüfung zu ermöglichen, werden die Ergebnisse der einzelnen Länder entsprechend ihrer jeweiligen Bevölkerung gewichtet und dargestellt. Die Antworten stellen daher die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen aus der Perspektive von mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit dar.

 Zum GfK Verein

Der GfK Verein ist eine 1934 gegründete Non-Profit-Organisation zur Förderung der Marktforschung. Er setzt sich aus rund 550 Unternehmen und Einzelpersonen zusammen. Zweck des Vereins ist es, innovative Forschungsmethoden in enger Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen zu entwickeln, die Aus- und Weiterbildung von Marktforschern zu fördern und die für den privaten Konsum grundlegenden Strukturen und Entwicklungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu verfolgen sowie deren Auswirkungen auf die Verbraucher zu erforschen. Die Studienergebnisse werden den Mitgliedern des Vereins kostenlos zur Verfügung gestellt. Der GfK Verein ist Gesellschafter der GfK SE. Weitere Informationen unter www.gfk-verein.org.
Twitter: @GfK_Verein

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Lukas Häusermann
Lukas Häusermann
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