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Press release

Fussball ist nicht wie Japan

03.06.2015

Vertrauen sinkt mit steigender Korruption – aber nicht immer

Fast immer ist das Vertrauen der Menschen dort größer, wo ein Klima mit geringer wahrgenommener Korruption herrscht. Nur in Japan verläuft der Zusammenhang anders. Das zeigt der Global Trust Report 2015, der auf einer weltweiten Studie mit 29.000 Interviews, die der GfK Verein in 26 Ländern durchgeführt hat, basiert. Wie eine weitere GfK Studie, eine aktuelle Social Media Analyse zum Beispiel FIFA zeigt, geht im Zweifelsfall aber Korruptionsverdacht sehr wohl mit Vertrauensverlust – und entsprechenden wirtschaftlichen Risiken - einher.

Wie sehr Menschen anderen vertrauen, unterscheidet sich von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent. Meist lässt sich das durchaus logisch durch die dort herrschenden Rahmenbedingungen erklären, welchen Institutionen, Branchen, Währungen – oder Menschen vertraut wird. In den meisten der 26 Länder, die für den GfK Global Trust Report untersucht wurden, ist das Vertrauen in die Mitmenschen umso größer, je weniger Korruption (lt. dem Transparency International Corruption Perception Index CPI) sie in ihrem Land wahrnehmen.

So steht das höchste Vertrauen in die Mitmenschen, das die 26 Repräsentativerhebungen der GfK in Kanada und den Niederlanden (mit je 85 %) fanden, auch Bestwerten am Korruptionsindex (unter den Top-10) gegenüber. Auch in den USA oder der Schweiz korrelieren geringe Korruptionswahrnehmung mit hohem Vertrauen in die Mitmenschen, genauso wie in Österreich, wo 73 % den Mitmenschen vertrauen. Auch Österreich ist immerhin parallel dazu noch auf einem guten Platz 23 am Korruptionsindex.

Den letzten von möglichen 174 am Korruptionsindex belegt ein afrikanisches Land. Parallel dazu misstrauen auch die in der GfK-Studie erfassten afrikanischen Länder ihren Mitmenschen am meisten: Kenia (33 %) und Nigeria (35 %) sind die Schlusslichter, was Vertrauen in die Mitmenschen angeht, gefolgt von Brasilien (42 %) – und Japan (49 %).

Und irgendwann versiegt die Logik

Aber gerade dann, wenn man glauben möchte, dass menschliches Empfinden und Verhalten einer recht einfach nachvollziehbaren Logik folgen, ist alles anders. „In Japan herrscht im weltweiten Vergleich eine noch geringere Korruptionswahrnehmung als in Österreich, aber es vertrauen trotzdem nur relativ wenige Japanerinnen und Japaner (49 %) ihren Mitmenschen, berichtet Angelika Kofler, Leiterin der GfK Austria Sozial- und Organisationsforschung. „In diesem Fall herrscht also Misstrauen gegen die Menschen, obwohl  von Korruptionsverdacht wenig zu merken ist. Umgekehrt scheint in anderen Fällen großer Korruptionsverdacht dem Vertrauen nur wenig anzuhaben, wie die aktuellen Ereignisse bei der FIFA  zeigen. Aber Diskrepanzen zwischen Einstellungen, Emotionen und Verhalten sind nicht wirklich so erstaunlich“, zeigt sich die Sozialpsychologin mäßig überrascht. „Spannend ist nur, wie Menschen versuchen erlebte solche kognitive Dissonanz aufzulösen.“

Social Media Auswirkung auf FIFA Sponsoren

Dazu kann eine weitere GfK Studie, die die Reaktionen der letzten Tage in den Social Media erhob, einige Einsichten liefern: Es konnte global ein signifikanter Zusammenhang zwischen den aktuellen FIFA Entwicklungen und seinen Sponsoren gemessen werden. Dabei sind jedoch nicht alle Sponsor-Marken gleich stark betroffen. Die hauptbetroffenen Sponsoren werden aber in einer sehr negativen Tonalität in Zusammenhang gebracht oder mit starken Appellen aufgefordert, aktiv zu werden.

Christian Waldheim, globaler Leiter des Social Media Intelligence Centers der GfK, beurteilt die Auswirkungen wie folgt: „Auch wenn zu keinem Markenboykott aufgerufen wird, sind die Diskussionen bei vielen Marken zu über 60 % klar Sponsorship-bezogen und bergen damit ein entsprechendes Risiko. Das darf nicht nur kurzfristig, sondern sollte auch mittelfristig sehr genau beobachtet werden, um Auswirkungen messen zu können.“

Alexander Zeh,  GfK Austria Geschäftsführer,  beurteilt das Thema Vertrauen im Zusammenhang mit den aktuellen FIFA-Ereignissen aus der Managementperspektive: „Was jetzt bei der FIFA passiert ist nur der Anfang. Was hier vor aller Augen abläuft, ist nicht nur die Konsequenz individueller Verfehlungen, sondern der Beginn eines Change Process. Globale Verbände können sich nicht mehr auf Vereinsrecht berufen. FIFA, IOC und andere werden sich eine Unternehmenskultur zulegen müssen, die es ermöglicht Transparenz und Kontrollmechanismen zu installieren, die für Unternehmen längst gesetzlich vorgeschrieben sind.“

Zu den Studien

Der „Global Trust Report“ erscheint seit 2011 jährlich und untersucht abwechselnd entweder das Vertrauen in Berufe oder das Vertrauen in Institutionen und Branchen. Der „Global Trust Report“ 2015 basiert auf rund 29.000 Verbraucherinterviews, die der GfK Verein im 4. Quartal 2014 in insgesamt 26 Ländern durchführen ließ. Der GfK Verein fragt nach dem Vertrauen in zwölf Institutionen, elf Branchen und in die Mitmenschen allgemein. Die Skala reicht von „vertraue ich voll und ganz“ und „vertraue ich überwiegend“ über „vertraue ich weniger“ bis zu „vertraue ich überhaupt nicht“.

Die Daten für den „Social Media Intelligence Snap Shot zum FIFA Skandal”, Mai 2015, wurden vom GfK Global Social Media Intelligence Centers erhoben.

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Marie-Sophie Beauchamp
General